Donnerstag, 31. Oktober 2013

Zu Spät

Vielleicht kennt der ein oder andere von euch das Lied „Morgen“ von Johannes Oerding. Es geht darum, dass er immer wieder wichtige Dinge auf „morgen“ verschiebt. „Morgen, oder der Tag danach, oder der Tag danach, oder der Tag danach“
Doch irgendwann, da ist es zu spät.
Da kann man es nicht mehr „morgen“ machen.
Weil wir sterben, umziehen, uns in jemand anderen verlieben.

„Morgen, ja morgen werde ich sie anrufen und ihr sagen, wie sehr ich sie liebe! Das mir alles leid tut, und dass ich sie liebe. Morgen werde ich das machen! Dann weiß sie es.
Am nächsten Morgen: Naja, also ich könnte sie morgen anrufen! Morgen, da passt es viel besser als heute, weil, morgen, da hab ich mehr Zeit, und sie sicherlich auch.
Und so verschiebe und verschiebe und verschiebe ich dieses Telefonat. Bis ich sie dann endlich anrufe:
Ich:„Hey, ich bin´s. Wie geht’s?“-
Sie:„Ja, super, danke.“-
Ich:„Das klingt wirklich sehr gut. Warum bist du den so glücklich?“-
Sie:„Frisch verliebt. Sie ist toll, mega toll. Unbeschreiblich. Du musst sie kennenlernen.“
Ich: „ Schön! Das freut mich! Oh, mein Akku ist alle. Ich ruf dich die Tage mal an. Tschau!“

Oder der Tag danach…
Und dann ist es zu spät!
Für immer zu spät!
Jetzt kann ich nichts mehr machen und nur, weil ich mich nicht getraut habe.
So etwas passiert, werden manche sagen.
Aber es tut unfassbar weh.

Manchmal sterben auch gute Freunde, ganz unerwartet. Wegen einer plötzlichen Krankheit, einem  Unfall.
Auch Kea hat in ihrem Blog

So ein riesen Verlust ist furchtbar, es zeigt, wie schnell etwas vorbei sein kann. Und wie wenig wir machen können.
Vorhin hast du dich noch mit deiner Mutter gestritten, jetzt ist sie zum Einkaufen gefahren.
Kurz darauf erreicht dich ein Anruf: „Guten Tag, sind Sie die Tochter von Frau ****? Sie hatte einen Verkehrsunfall und wurde ins städtische Krankenhaus gebracht. Wenn Sie es einrichten können, kommen Sie bitte dorthin.“
Natürlich bist du in nullkommanix im Krankenhaus. Siehst deine Mama, wie sie dort liegt, an tausenden Schläuchen. Hoffst, weinst, vielleicht betest du auch. Machst dir Vorwürfe: „Hätte ich.. Hätte, hätte, hätte…“ Du sitz an ihrem Bett, sprichst mir ihr, weinst.
Und als du kurz, ein, zwei Minuten auf Toilette bist und dann wieder zu ihr gehen willst, sind plötzlich Ärzte und Schwestern da. „Lassen Sie mich zu ihr..“ willst du schreien, doch du kannst nichts sagen, hörst nur noch diesen einen durchgehenden hohen Ton. Dir wird schlecht, heiß, kalt, gleichzeitig. Du hörst nur noch dumpf die Geräusche um dich herum. Du  verlierst den Boden unter den Füßen… 
Als du wieder aufwachst, sitz eine Schwester neben dir, schaut dich fragend an. „Geht es Ihnen wieder gut?“, fragt sie. „Wo ist meine Mutter?“, ist das erste und einzige was dir durch den Kopf geht. „Setzen Sie sich erst einmal. Und jetzt trinken Sie etwas“, fordert sie dich auf und drückt dir ein Glas Wasser in die Hand. Kurz darauf kommt ein Arzt zu dir, der Arzt, der sich auch um deine Mutter gekümmert hat. „Wie geht es meiner Mutter? Wo ist sie?“, fragst du ihn. Doch als du in sein Gesicht schaust, weißt du die Wahrheit und willst sie gleichzeitig nicht hören.  „Nein!“, schreist du. „Sie haben nicht genug gemacht! Wie konnten sie nur! Warum?!“ „Ihre Mutter war zu schwach. Es war das Beste für sie“, möchte er dich beruhigen, doch dir laufen nur heiße Tränen über die Wangen. Du sackst an der Wand zusammen, schlingst die Arme um die Knie und weinst.
Weinst, weil du nicht da warst, in diesem Moment.
Weinst, weil du nun alleine bist.
Weinst, weil du wütend bist.
Weinst, weil du dir Vorwürfe machst.

Die Welt hat aufgehört, sich zu drehen. Du bist da, in diesem Krankenhaus, ganz alleine. 
Deine Mutter.. ja, tot.
Sie wird dich nie wieder anlächeln, dich in den Arm nehmen, dir zu hören.
Und du weinst, und weinst, und weinst, und weinst, und weinst, und weinst.
Bis du irgendwann aufstehst.
Bis du auf der Toilette in dem Spiegel schaust. In ein Gesicht mit feuchten Augen, wirrem Haar, ein Gesicht mit roten Flecken überdeckt, tiefen Augenringen.
Du wäscht dein Gesicht mit kaltem Wasser, wieder läuft dir eine Träne aus dem Auge.
Irgendwann, du hast schon längst dein Zeitgefühl verloren, gehst du.
Der Arzt kommt dir entgegen: „Sind Sie immer noch hier?“, fragt er erstaunt.
„Ich gehe“, sagst du, müde, leise.
Du merkst wie der Arzt dir hinterher schaut, aber wohl selber nicht weiß, was er sagen soll. Draußen schlägt dir die kalte Luft entgegen. Es tut gut, aber gleich laufen dir wieder die Tränen über dein Gesicht. Zuhause angekommen schleppst du dich nur noch in dein Bett.
Bleibst dort, scheinbar tagelang. Doch als du auf die Uhr schaust, sind erst wenige Stunden vergangen.
Doch irgendwann, da reicht es. Da stehst du auf, duscht dich. Ziehst dich an. Isst etwas. Trinkst etwas. Telefonierst.
Triffst dich mit deinen Geschwistern, um die Beerdigung zu planen. Ihr tröstet euch gegenseitig. Als alles für den Abschied deiner Mutter steht, gehst du hinaus.

Und siehst die Welt mit anderen Augen.

Samstag, 26. Oktober 2013

Mutterliebe

Ich wartete am Bahnhof. Es war ein ekliger, regnerischer Novembernachmittag, am dem einem die Kälte durch die Beine und den Nacken kroch. Ein Tag, um zuhause einen heißen Tee zu trinken, aber sicher nicht, um draußen auf einen verspäteten Zug zu warten.
Dann, endlich! Der Zug fuhr ein.
Ein kleines Kind, etwa sieben Jahre alt, stieg aus und schaute sich suchend um. Dann lächelten, strahlten ihre Augen und sie schrie: "Mama! Mama!" Sie lief auf eine Menschenmasse zu und ihre Mutter kam hervor.
Die Kleine sprang in die Arme ihrer Mutter und erzählte ihr fröhlich etwas, während die Mutter ihr freudig zuschaute.
Mein Herz wurde schwer, kurz stiegen Tränen in meine Augen. Ich erinnerte mich nicht daran, dass meine Mutter mich je so liebevoll begrüßt hatte. Als ich ein kleines Kind war, hatte sie mich selten irgendwo abgeholt, und wenn, dann war es nie so liebevoll gewesen.
Das Verhältnis zu meiner Mutter war schon früh etwas distanziert gewesen. Das fehlte mir schon immer, ich vermisste die Wärme und Liebe, die andere Kinder von ihren Eltern bekamen. Ich schaute mit Neid auf meine Freunde, die lächelnd von ihrem Eltern abgeholt wurden und ihnen Geschichten erzählten. Die Zuhause mit ihren Eltern gemeinsam Mittagessen aßen und viel Aufmerksamkeit von den Eltern bekamen.
Während meine Mutter erst Abends heim kam und sich dann nicht sehr für meine Erlebnisse interessierte.
Ich meisterte schon früh meinen Alltag ohne sie, war nachmittags im Hort oder bei Freunden.
Einmal bekam ich ein Gespräch zwischen meiner Mutter und der Mutter einer Freundin mit.
Diese fragte, warum meine Mutter nur so wenig Zeit für mich hatte und ständig mit sich beschäftigt schien.
Darauf hin wurde meine Mutter leise und sie sagte traurig: "Ich hatte mir das doch auch alles ganz anders vorgestellt. Die Kleine war doch ein Unfall..."
Viel mehr verstand ich nicht.
Damals war mir gar nicht klar, was das bedeutete.
Wieso war ich ein Unfall?!
Irgendwann fragte ich meine Mutter einfach- und sie schaute mich erschrocken an.
"Wie kommst du darauf?"; fragte sie entsetzt.
Ich erklärte ihr es und sie nahm mich in den Arm.
"Meine Kleine, du bist doch kein Unfall! Da hast du etwas falsch verstanden. Ich liebe dich, mehr als alles andere auf dieser Welt!"
Von diesem Tag an nahm sie sich mehr Zeit für mich.
Ich war überrascht und völlig verwirrt, warum sie sich so plötzlich geändert hatte, aber auch sehr glücklich.
Nun hatte auch meine Mama für mich Zeit, wir unternahmen am Wochenende gemeinsam Ausflüge und ich war stolz, wenn ich von meiner Mama abgeholt wurde.
Unser Verhältnis ist seitdem so eng, wir sind wie beste Freunde und sie ist immer für mich da.
Zu zweit sind wir ein super Team und vertrauen uns sehr.

Manchmal denke ich an dieses Gespräch zwischen meiner Mutter und dieser anderen Mutter zurück und bin dankbar, dass es dieses Gspräch gab.
Auch wenn mir klar ist, dass ich damals nicht das Wunschkind von meiner Mutter war und das sie lange nicht gemerkt hat, wie sehr ein Kind ihre Mutter braucht.
Aber doch hat sie es ja noch gesehen und ist seit dem für mich da.
Und inzwischen ist sie auch sehr glücklich, mich damals behalten zu haben.


Donnerstag, 24. Oktober 2013

Schlafprobleme

Hier ist meine erste Geschichte.
Wie bereits erwähnt, ist nicht alles Realität, aber auch nicht alles Fantasie. :)
Viel Spaß beim Lesen, ich freue mich auf Rückmeldungen.

Schlafprobleme
Probleme, einzuschlafen, hatte ich fast nie. Meistens war ich so erschöpft von der Schule und dem Lernen, ich hatte bis spät abends gearbeitet oder war so lang mit Freunden unterwegs, dass ich einfach nur noch ins Bett fiel.
Doch heute war es anders.
Am Nachmittag war ich etwas müde gewesen, aber seit abends war ich, zu mindestens innerlich, ziemlich aufgedreht.
Das war komisch.
Jetzt, wo es Winter, und so mit immer schnell dunkel war, schlief ich immer sehr lange.
Aber heute telefonierte ich bis spät abends und lernte noch für die bevorstehende Klausur. Eine Bekannte, inzwischen bei mir nicht mehr so beliebt, teilte mir per SMS mit, dass "man sich wohl bald mal sehen würde."
Darüber freute ich mich nicht besonders, ich hatte kein Interesse sie zu sehen.
Aber war das der Grund für meine Unruhe?
Ich hatte am Abend auch nicht so viel Cola getrunken, außerdem hatte ich nie Probleme mit Koffeingenuss am Abend (oder Nachts). Auch die Klausur konnte eigentlich nicht wirklich der Grund sein. Klar, besonders gut war ich nicht vorbereitet, aber das war ich selten, und sah Klausuren immer mit großer Entspanntheit entgegen.
Vielleicht waren es auch einfach meine Gedanken um eine Freundin. Seit einiger Zeit hatten wir uns auseinander gelebt, doch fanden inzwischen wieder etwas zu einander, was mein Herz zugegebener Maßen höher schlagen ließ. Vielleicht waren es auch alle Dinge auf einmal, die mich immer noch hellwach in meinem Bett liegen ließen...
Trotzdem war ich nachdenklich gestimmt und hatte zwei Möglichkeiten:
Entweder weiter meinen Gedanken nachhängen oder durch sinnlose Spiele am Handy mich abzulenken.
Ich versuchte es mit Möglichkeit zwei, was aber eher schlecht als recht gelang..

Doch irgendwann schlief auch ich ein.
Um ein paar Stunden später wieder aufzustehen.

:)

Der zweite Anfang

Die folgenden Ereignisse habe ich vor ein paar Jahren erlebt.

Ich war von meiner ersten, allerersten Freundin getrennt, sicherlich schon ein Jahr. 
Ich hatte mit ihr abgeschlossen, wir waren Bekannte, mehr nicht.
Ich liebte sie nicht.
Das sagte ich mir damals. 

Ich kam mit einem anderen Mädchen zusammen, heute frage ich mich, warum.

Es war nicht die Magie da, die ich bei meiner ersten Freundin gespürt hatte.
Ich sah meine Freundin, Nele, an und es leuchteten nicht ihre Augen. Wenn ich an sie dachte, kribbelte es nicht in meinem ganzen Körper und ich lächelte auch nicht. Wenn wir uns trafen, pärchenmäßig Filme schauten und die Wochenenden miteinander verbrachten, küssten wir uns manchmal die ganze Zeit nicht.
Und ich sehnte den Moment herbei, wo sie nach Hause fuhr.
Ich war froh, alleine, bzw. eben nicht mit Nele zusammen zu sein. 

All das wunderte mich und ich nahm Abstand.
Wegen anstrengender Schule hatte ich keine Zeit- für sie. Na klar, das war von mir nur eine Ausrede!
Aber in dieser Zeit dachte ich oft an meine erste Freundin zurück.
Wie toll sie gewesen war. Wie hübsch sie war, wie sie lachte, ihr Humor!
Und all das sah ich nicht bei meiner jetzigen Freundin.
Natürlich, es lag für mich auf der Hand: Eine Freundschaft mit Nele war vielleicht möglich, jedoch keine Beziehung.
Wir setzen uns zu einem ernsten Gespräch zusammen, vor dem ich am liebsten weggelaufen wäre. Aber das tat ich natürlich nicht.
Es war ein furchbares Gespräch. Ein Gespräch, in dem viele, unzählige Tränen flossen, in dem wir unsere Gefühle schilderten und gemeinsam beschlossen, dass eine Beziehung nicht möglich war.
Waren wir doch viel zu verschieden. Schüchtern, leise, vorsichtig gegen laut, selbstbewusst und offen.
Das hatte keine Chance.


Es brach mir das Herz, nun getrennt zu sein, aber doch war mir bewusst, dass Nele nicht die Richtige für mich war.
Ich weiß nicht warum, aber ich suchte wieder Kontakt mit meiner ersten Freundin. Diese hatte, selbstverständlich, kein besonders großes Interesse, war glücklich in einer neuen Beziehung.
Doch ich gab nicht auf.
Ich wollte ihr beweisen, dass ich sie liebte, und meine Fehler von damals bereute.


Wir setzen uns zusammen und redeten.
Von Anfang an war wieder diese riesen Vertrautheit vorhanden, ich schaute sie an und war einfach glücklich, sie zu sehen.
Doch natürlich war es nicht leicht.
Konnten wir wirklich ein zweites Mal zusammen kommen?
Was war mit dem Gründen, aus denen ich mich von ihr getrennt hatte?
Könnten wir uns wieder so vertrauen?


Auch wenn wir beide damals sagten, dass wir uns nicht mehr liebten, merkten wir, wie sehr wir doch aneinander hangen.
Wie wir miteinander lachten und uns so wohl fühlten.
Und das wir die letzte Zeit etwas vermisst hatten.


Sie brauchte Zeit, doch versprach, sich bei mir zu melden.